Barrierefreiheit-Checker im Überblick: axe, WAVE, Lighthouse, Accessibility Insights, PAC und Zugangscheck
7 Min. Lesezeit · DACH
Es gibt gute kostenlose Werkzeuge, die eine einzelne Seite im Browser prüfen, und Werkzeuge, die ganze Websites laufend überwachen. Alle messen dasselbe Regelwerk, die WCAG, und alle finden nur den messbaren Teil. Dieser Artikel stellt die verbreiteten Prüfwerkzeuge vor, sagt, wofür sie taugen, und ordnet den Zugangscheck ehrlich ein.
Redaktion Zugangscheck, veröffentlicht am . Wer dahintersteht
Keine Rechtsberatung. Quellen am Ende des Artikels.
Die Werkzeuge auf einen Blick
Prüfwerkzeuge für Barrierefreiheit, was sie prüfen und wie man sie nutzt, nach den Angaben der Hersteller
| Werkzeug | Hersteller | Form | Prüft | Kosten laut Anbieter |
|---|---|---|---|---|
| axe DevTools | Deque Systems | Erweiterung für Chrome, Firefox, Edge; axe-core als Bibliothek | Einzelne Seite, WCAG-Regeln, geführte Tests | Erweiterung kostenlos, Pro-Stufe mit Testphase |
| WAVE | WebAIM, Utah State University | Online unter wave.webaim.org, Erweiterung für Chrome, Firefox, Edge, API | Einzelne Seite, Fehler und Hinweise im Layout markiert | Online und Erweiterung frei nutzbar, API im Abo |
| Lighthouse | Google, in Chrome eingebaut | Entwicklerwerkzeuge | Einzelne Seite, Punktzahl aus axe-Regeln, manuelle Prüfpunkte | kostenlos |
| Accessibility Insights | Microsoft | Erweiterung für Chrome und Edge, Windows-App | FastPass in unter fünf Minuten, Assessment nach WCAG 2.1 AA | kostenlos, quelloffen |
| Accessibility Inspector | Mozilla, in Firefox eingebaut | Entwicklerwerkzeuge | Accessibility-Baum, Kontrast, Tab-Reihenfolge, fehlende Beschriftungen, Simulation von Farbsehschwächen | kostenlos |
| BIK BITV-Test | BIK, Prüfverbund | Prüfung durch Prüfstellen, Selbstbewertung | Website nach BITV 2.0 und EN 301 549 V3.2.1 | Selbstbewertung kostenlos, Prüfung kostenpflichtig |
| PAC | PDF/UA Foundation | Windows-Programm | PDF nach PDF/UA und WCAG, Sichtprüfung unterstützt | kostenlos |
| NVDA | NV Access | Vorleseprogramm für Windows | Die Seite so, wie sie ein blinder Mensch hört | kostenlos, quelloffen |
| Zugangscheck | Zugangscheck, Schweiz | Online, ohne Installation | Bis zu fünf Seiten und PDFs im Browser, wöchentlicher Monitor, Erklärung | Gratis-Check kostenlos, Monitor im Abo |
Werkzeuge im Browser für eine Seite
axe-core von Deque ist die Regelbibliothek hinter vielen Werkzeugen, quelloffen und nach Angabe der Herstellerin der weltweite Standard für automatische Barrierefreiheitsprüfung. Die Erweiterung axe DevTools zeigt die Befunde einer Seite mit Stelle und Erklärung. Deque nennt für die Kombination aus automatischen und geführten Tests eine Abdeckung von bis zu 80 Prozent der Probleme; die automatischen Regeln allein kamen in ihrer Studie von 2021 auf 57 Prozent. Auch der Zugangscheck nutzt axe-core, ergänzt um eigene Messungen.
WAVE von WebAIM an der Utah State University legt seine Befunde als Symbole direkt über die Seite, so dass man sieht, welches Bild ohne Alternativtext ist und welches Feld ohne Beschriftung. WebAIM beschreibt WAVE ausdrücklich als Hilfe für die menschliche Bewertung. Lighthouse in Chrome errechnet eine Punktzahl als gewichteten Durchschnitt seiner Prüfungen; die Gewichte folgen den Auswirkungen, wie axe sie einschätzt, und eine Prüfung ist entweder bestanden oder nicht, halbe Punkte gibt es nicht. Eine Lighthouse-Punktzahl von 100 sagt darum nur, dass die automatischen Prüfungen bestanden sind; die manuellen Prüfpunkte listet Lighthouse darunter auf.
Accessibility Insights von Microsoft ist kostenlos und quelloffen. Der FastPass fängt die häufigsten Probleme in unter fünf Minuten, das Assessment führt Schritt für Schritt durch alle Kriterien der WCAG 2.1 AA, auch die manuellen. Der Accessibility Inspector in Firefox zeigt den Baum, den Vorleseprogramme sehen, prüft Kontraste und Tab-Reihenfolge und simuliert Farbsehschwächen. Beide sind gute Begleiter für Entwicklerinnen, die eine Seite gerade bauen.
Werkzeuge für ganze Websites und für PDFs
Browser-Erweiterungen prüfen die Seite, die gerade offen ist. Wer fünfzig oder tausend Seiten hat, braucht einen Crawler, der Seite für Seite lädt, und einen Verlauf, der zeigt, was seit der letzten Woche neu ist. Das ist die Aufgabe von Monitoring-Werkzeugen. Der Zugangscheck lädt jede Seite in einem echten Browser in breiter und schmaler Ansicht, fährt axe-core und eigene Regeln, liest die verlinkten PDFs, bewertet die Website mit 0 bis 100 Punkten und schreibt jeden Befund mit Seite, Stelle, Ausschnitt, WCAG-Kriterium, Verweis auf die EN 301 549 und Anleitung. Der Monitor wiederholt das wöchentlich und meldet neue Befunde per E-Mail.
PDFs prüft keines der Browser-Werkzeuge. PAC, der PDF Accessibility Checker, prüft nach Angabe der Herausgeberin PDF/UA- und WCAG-Anforderungen auf Knopfdruck und unterstützt die zusätzlich nötige Sichtprüfung; er ist kostenlos, ohne Administratorrechte installierbar und läuft unter Windows. Der Zugangscheck prüft PDFs auf Tags, Sprache, Titel, Textebene, Lesezeichen, Alternativtexte und Feldbeschriftungen und gibt eine Ampel je Datei; eine Konformität mit PDF/UA behauptet er nie.
Das Werkzeug, das kein Checker ersetzt
NVDA ist ein kostenloses, quelloffenes Vorleseprogramm für Windows, entwickelt von der gemeinnützigen NV Access; VoiceOver ist auf Apple-Geräten eingebaut. Sie sind keine Prüfwerkzeuge im engen Sinn, aber der ehrlichste Test: Sie zeigen, was ein blinder Mensch von der Seite bekommt. Eine Stunde mit NVDA erklärt mehr über Beschriftungen, Lesereihenfolge und Statusmeldungen als jeder Bericht. Prüfwerkzeuge sagen, wo etwas fehlt; das Vorleseprogramm sagt, wie es sich anfühlt.
Was Overlays sind und was sie nicht sind
Overlays sind Skripte, die einer Website beim Aufruf ein Bedienfeld für Kontrast, Schriftgrösse oder Vorlesen hinzufügen. Sie sind keine Prüfwerkzeuge. Sie können die im Browser dargestellte Struktur verändern, etwa Rollen oder Beschriftungen ergänzen; die Quelldateien der Seite bleiben unverändert. Der Kritikpunkt ist darum nicht, dass sich nichts ändert, sondern dass die Barrieren nicht verlässlich und nicht vollständig behoben werden: Was ein Skript aus dem Zusammenhang errät, kann falsch sein, es greift nicht auf allen Seiten und in allen Zuständen, und es ist von aussen nicht nachprüfbar.
Zwei Belege sind dafür einschlägig. Die amerikanische Federal Trade Commission hat am 22. April 2025 eine Verfügung gegen accessiBe Inc. und accessiBe Ltd. endgültig erlassen; sie verpflichtet das Unternehmen zur Zahlung von 1 Million US-Dollar und untersagt ihm, zu behaupten, seine automatisierten Produkte könnten jede Website WCAG-konform machen oder eine dauerhafte Konformität sicherstellen, solange es dafür keine Belege hat. Das European Disability Forum und die International Association of Accessibility Professionals halten in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 17. Mai 2023 fest, dass Overlays eine Website nicht barrierefrei oder konform mit der europäischen Gesetzgebung zur Barrierefreiheit machen und keine annehmbare Alternative zur Behebung an der Website selbst sind.
Rechtlich verlangt die Verordnung zum BFSG, dass die Webseite selbst wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust ist; die Leitlinien des BMAS und die Bundesfachstelle nennen Overlays nicht als Weg dorthin. Wer ein Overlay einsetzt, prüft die Seite darum so, als wäre es nicht da, und behebt die Befunde im eigenen Code.
Hinweis: Nicht jedes zuschaltbare Bedienfeld ist ein Overlay im hier beschriebenen Sinn. Werkzeuge, die ausdrücklich als Zusatzangebot neben einer geprüften Seite auftreten und keine Konformität versprechen, sind anders zu beurteilen als Skripte, die eine Konformität zusichern. Massgeblich ist, was versprochen wird und was nachprüfbar ist, nicht die Produktgattung.
Welches Werkzeug für welchen Zweck
- Eine Seite während der Entwicklung prüfen: axe DevTools, WAVE, Accessibility Insights oder der Inspector in Firefox, je nach Browser.
- Eine Punktzahl im Team teilen: Lighthouse, mit dem Wissen, dass sie nur die automatischen Prüfungen abbildet.
- Eine ganze Website prüfen und im Auge behalten: ein Monitor mit Crawl, Verlauf und Alarm, etwa der Zugangscheck.
- PDFs prüfen: PAC für die Tiefe je Datei, der Zugangscheck für alle verlinkten PDFs auf einmal.
- Eine Konformitätsaussage für eine Erklärung: eine Prüfung nach WCAG-EM oder der BITV-Test, ergänzt um die automatischen Befunde.
- Verstehen, was fehlt: eine Stunde mit NVDA oder VoiceOver.
Ihre Website jetzt prüfen
Der Gratis-Check prüft bis zu fünf Seiten und die verlinkten PDFs im echten Browser und zeigt die wichtigsten Verstösse mit Beispiel und Anleitung. Kein Konto, kein Siegel, keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Welcher Barrierefreiheit-Checker ist der beste?
Keiner allein. Die Browser-Werkzeuge axe, WAVE, Lighthouse, Accessibility Insights und der Firefox-Inspector prüfen eine Seite und ergänzen sich. Für ganze Websites braucht es einen Crawler mit Verlauf, für PDFs PAC oder einen PDF-Prüfer. Der Sinn von Texten und die Bedienlogik bleiben Handarbeit.
Sind die Werkzeuge kostenlos?
Nach Angabe der Hersteller: die Erweiterungen von axe und WAVE, Lighthouse, Accessibility Insights, der Firefox-Inspector, PAC und NVDA ja. Kostenpflichtig sind Pro-Stufen, Programmierschnittstellen, Prüfungen durch Prüfstellen und Monitoring-Abos, auch beim Zugangscheck über den Gratis-Check hinaus.
Warum zeigen zwei Werkzeuge unterschiedliche Ergebnisse?
Weil sie unterschiedliche Regeln und Schwellen haben, unterschiedlich zählen und manche Messungen nur mit Browser möglich sind, etwa der sichtbare Fokus oder der Überlauf bei Zoom. Wichtig ist, dass jeder Befund Stelle und Kriterium nennt, damit man ihn nachvollziehen kann.
Ist ein Overlay ein Checker?
Nein. Ein Overlay fügt der Seite ein Bedienfeld hinzu und kann die dargestellte Struktur verändern, behebt die Barrieren aber nicht verlässlich und nicht vollständig. Die FTC untersagte accessiBe im April 2025 die Behauptung, das Produkt mache jede Website WCAG-konform; EDF und IAAP halten fest, dass Overlays eine Website nicht konform mit der europäischen Gesetzgebung machen. Prüfen Sie eine Seite mit Overlay so, als wäre es nicht da.
Was unterscheidet den Zugangscheck von axe oder WAVE?
Er nutzt axe-core wie diese Werkzeuge, prüft aber mehrere Seiten und die verlinkten PDFs auf einmal in einem echten Browser, ergänzt eigene Messungen wie Fokus, Tastaturfalle und Zoom, bewertet die Website mit Punkten, schreibt Anleitungen auf Deutsch und wiederholt die Prüfung im Monitor wöchentlich. Er findet wie alle Werkzeuge nur den messbaren Teil.
Quellen
Abgerufen am 21.09.2026. Jeder Link öffnet ein neues Fenster.
- Deque: Axe Platform (deque.com, neues Fenster)
- Deque: Automated Testing Study Identifies 57 Percent of Digital Accessibility Issues (deque.com, neues Fenster)
- WebAIM: WAVE Web Accessibility Evaluation Tools (wave.webaim.org, neues Fenster)
- Chrome for Developers: Lighthouse Accessibility Scoring (developer.chrome.com, neues Fenster)
- Microsoft: Accessibility Insights (accessibilityinsights.io, neues Fenster)
- Firefox Source Docs: Accessibility Inspector (firefox-source-docs.mozilla.org, neues Fenster)
- BIK BITV-Test (bitvtest.de, neues Fenster)
- PAC, PDF Accessibility Checker (pac.pdf-accessibility.org, neues Fenster)
- NV Access: About NVDA (nvaccess.org, neues Fenster)
- bfsg-gesetz.de (private Informationsseite zum BFSG) (bfsg-gesetz.de, neues Fenster)
- Federal Trade Commission: accessiBe Inc., Verfahren 2223156 (Verfügung vom 22.04.2025) (ftc.gov, neues Fenster)
- European Disability Forum und IAAP: Joint Statement on Accessibility Overlays (17.05.2023) (edf-feph.org, neues Fenster)
Weiterlesen
- Barrierefreiheit testen: was Werkzeuge finden, was nur Menschen sehen
Wie man eine Website auf Barrierefreiheit prüft: automatisch, mit Tastatur, Vorleseprogramm und Zoom. Mit Checkliste und dem, was Software nicht kann.
- PDF barrierefrei machen: Tags, Sprache, Titel, Lesereihenfolge, Alternativtexte und die Prüfung
Was ein barrierefreies PDF braucht und wie es aus Word, InDesign und LibreOffice entsteht: Tags, Sprache, Titel, Lesereihenfolge, Alternativtexte, Prüfung.
- BFSG-Pflicht für Websites: wer ab wann betroffen ist
Welche Websites und Onlineshops seit dem 28. Juni 2025 unter das BFSG fallen, was verlangt wird, wer prüft und was ein Verstoss kostet. Mit Quellen.
Stand der Rechtslage: 21.09.2026. Dieser Artikel erklärt, was in Gesetz, Verordnung und Norm steht, und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Zweifeln hilft die Bundesfachstelle Barrierefreiheit oder eine Anwältin.